Ein neues DRC-Mitglied stellt sich vor: Achim DK5WW
Wie bereits im Jänner berichtet, haben sich beim Schäufele-Event in Murnau zwei neue Mitglieder bei uns eingeschrieben: Herbert DG7MCC und Achim DK5WW – herzlich willkommen! Schön, dass wir uns direkt kennengelernt haben!
Achim DK5WW hat uns nun einen spannenden Bericht über sich verfasst und möchte sich vorstellen. Er schreibt uns Folgendes:
Ich bin Jahrgang 1946. Als Heranwachsender war das damalige Radioprogramm ein Desaster und man konnte diesen Zustand etwas mildern, indem man Radio Luxemburg hörte. Nicht viel später wurde AFN entdeckt, der in München ausstrahlte. Von dem angebotenen Programm war insbesondere mein Vater nicht begeistert. Ich musste also ein eigenes Radio haben. Irgendwie habe ich Wind von einem Radio Detektor bekommen. Mehrere Versuche etwas zu bauen und zu empfangen, schlugen fehl. Und mein Gejammere darüber, führte zum Weihnachtsgeschenk „Der Radiomann“. Von nun an wollte ich mehr und mehr hören, so spannte ich im Garten Antennendrähte. Bei dieser Gelegenheit kam ein Mann vorbei, der mich über mein Tun befragte und sagte, man könne auch etwas zum Senden bauen. Es war ein Funkamateur. Nächster Weihnachtswunsch war ein Buch über den Amateurfunk – Titel „Der Kurzwellen-Amateur“ von Karl Schultheiss (t) DL1QK, das ich heute noch besitze.


In der Folge wurde viel mit mehr oder weniger Erfolg gebastelt. Aktive Bauteile zu dieser Zeit waren nur Röhren, was auch hin und wieder zu Erfahrungen mit höheren Spannungen führte. 1966 gab es im Kloster Ettal einen vom DARC gesponserten Lehrgang, dessen Abschluss die Erlangung der C-Lizenz sein sollte. Das hatte ich geschafft – DC6JJ. Weil das Geld für einen fertigen TRX fehlte, musste dieser selbst gebaut werden. Ein paar Jahre vorher hatte ich die Bekanntschaft eines Radio- und Fernsehtechnikers gemacht. Dieser nahm mich unter seine Fittiche und ich habe gelernt, Gehäuse zu bauen, das Innenleben sauber und elektrisch sinnvoll zu gestalten. Ich denke, dass ich mindestens zweimal den mobilen 2m TRX aufgebaut habe, bevor er in Betrieb gehen durfte. EIN Watt gab es als Output, eine 10 el. Yagi und keine FM-Relais. Mobil wurde ich 1970 mit einem umgebauten Taxifunk-Gerät im VW-Käfer.
Durch die dünne Aktivität im 2m Band rückte die Kurzwelle mit dem Bau einer Heathkit-Station in den Focus. Die C-Lizenz enthielt alle Elemente für eine A-Lizenz. Es fehlte nur CW. Erst 1979 ging ich das Problem ernsthaft an, denn im OV war ein ehemaliger BGS Funker. Für ein Vierteljahr kam er dreimal in der Woche zu mir, um mir CW beizubringen. Am Vorabend zur Prüfung nochmal die Prüfung durchgegangen und drei Fehler gehabt. Also morgen wird es dann wohl nicht klappen und ich wollte nicht zur Prüfung gehen. Er bestand jedoch darauf. Zu Beginn der Prüfung sagte der Prüfer, er gebe jetzt eine Minute zum Einhören. Ich höre und denke, warum gibt denn der so langsam. Mein CW-Lehrer war auch anwesend. Als ich ihn ansah, hatte er ein breites Grinsen. Er hatte mich auf 80 Bpm gebracht, ohne dass ich es merkte. Ich stehe noch heute mit ihm in Verbindung. Ab da hatte ich das Rufzeichen DK5WW.
Ab Ende der achtziger Jahre, musste der Amateurfunk aus beruflicher Sicht zurücktreten. Ich habe zwar 1986 in den USA die Prüfung abgelegt und das Rufzeichen KA5YTT bekommen, aber nicht mehr ausgeübt. Ich wechselte in das Hobby Modelleisenbahnen, dass zu Beginn der neunziger Jahre mehr und mehr für die Steuerung digitalisiert wurde. In diesem Metier und in meiner favorisierten Baugröße von 1:45 musste viel selbst gebaut werden. So lernte ich viel über Mechatronik. Hier im Bild: E94 das Deutsche Krokodil Selbstbau, Gewicht 3,5 kg.

Im Jahre 2014 traf die Urkunde zu 50-jähriger Mitgliedsschaft im OV C03 ein. Man „stöberte“ mich auf und es begann der zweite Abschnitt eines Amateurfunkers. So richtig wollte ich nicht wieder einsteigen, da ich durch das Hobby Modelleisenbahn im Vorstand von zwei Verbänden noch gebunden war. Außerdem hatte ich nichts für den Funkbetrieb und hätte auch nicht gewusst, was ich hätte sinnvoll anschaffen können.
Dank des OV C03 wurden mir verschiedene Geräte zum Ausprobieren gestellt. Als ich mit meinem Regenabflussrohr (Kupfer) auf 15m ein RTTY QSO mit Novosibirsk hatte, wollte ich nun meine eigene Station. Ich erinnerte mich während meines Aufenthaltes in Colorado in der Mitte der 70iger Jahre ein RTTY QSO auf 20m mit Reunion Island gehabt zu haben.
2017 erfolgte dann der Aufbau der Inverted-V mit dem Tuner am Speisepunkt und den Kauf eines IC-7100. Ebenfalls wurde eine DX50 auf dem Dach installiert. Dann kam das Hermes Projekt. Ich bin immer auf neue Entwicklungen erpicht, aber dieses Projekt war eine echte Herausforderung. Ich musste lernen, SMD Bauteile zu verlöten und auf der Platine gab es davon Hunderte. Manche IC’s u.a der FPGA konnten nur durch eine Firma aufgelötet werden und wurden dann auf mögliche Lötstellenprobleme mit einem Radar untersucht. Mit dem Projekt Hermes und weiteren Modulen sollte in Verbindung mit einer Software ein moderner TRX geschaffen werden. Es gab keinen Erfolg und ich musste lernen, meine Grenzen zu erkennen.
Im Jahre 2019 habe ich während der Amateurfunktage in München die Prüfung zur US-Lizenz zum zweiten Mal gemacht. Das zugeteilte Rufzeichen ist KE0ZUG.
Auf Kurzwelle wurden mit meiner bescheidenen Antenne auch schon DX-Stationen nämlich in Nord- und Mittelamerika erreicht. Dennoch, da war der alte Traum, fernere Verbindungen zu bekommen. Eine Yagi in der Mitte eines bayerischen Dorfes zu errichten ist möglich, aber nicht ratsam. Daher dachte ich darüber nach, wieder in CW einzusteigen und/oder das alte digitale RTTY trotz der nun viel effizienteren Digi-Modes aufleben zu lassen. Von den Digi Modes fasziniert mich WSPR, weil man damit die Ausbreitungsbedingungen studieren kann.
Also, ich habe mir nicht nur eine Taste (Paddle) zugelegt und geübt, sondern auch mit QO-100 begonnen. Ich finde es cool mit den alten Betriebsarten über OQ-100 zu arbeiten. Und ich habe mit Rufzeichen gearbeitet, die ich sonst niemals erreichen könnte. Hier im Bild: QO-100 Txing TEST on 10489,650 MHz.

Ach ja, die Modelleisenbahn. Sie ist noch da, aber musste in den Hintergrund treten. Ich habe noch einen über 7m langen (selbst gebauten) Bahnhof, in dem man Züge (hin und her) fahren lassen kann.
Beide Hobbies sind in ihrer Art jedem Computerspiel überlegen, auch wenn sie von meinen Familienmitgliedern wegen meiner Begeisterung dafür belächelt werden. Ich habe es leider nicht geschafft, diese Hobbies an die nächsten Generationen weiter zu bringen.
Danke Achim für deine Vorstellung! Du hast Vieles ausprobiert und erlebt… So wünschen wir dir weiterhin viel Freude mit dem Funken und spannende Verbindungen und QSOs!
73 de Rita, IN3IJZ




